Am 22. April 2017 in Fellbach. Foto: Kiessling

Warnung vor Populismus und Nationalismus

Die liberale Reinhold-Maier-Stiftung hat am Samstag, den 22. April 2017 mit einem Festakt in der Fellbacher Schwabenland-Halle ihre Gründung vor 40 Jahren gefeiert.

Die gemeinnützige Stiftung hat die Aufgabe, im Rahmen der politischen Bildung Wissen und Kenntnisse über liberale Grundwerte zu vermitteln. Die Stiftung erinnert damit auch an das politische Wirken des ersten Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg.

Vor dem Hintergrund des um sich greifenden Links- und Rechtspopulismus in Deutschland und in anderen europäischen Staaten riefen alle Festredner und -rednerinnen dazu auf, freiheitliche Werte und damit den Verfassungsstaat liberaler Prägung zu verteidigen.

Jochen Haußmann MdL

Jochen Haußmann, FDP-Landtagsabgeordneter im Wahlkreis Schorndorf, dem ehemaligen Wahlkreis Reinhold Maiers, und Vorsitzender der Stiftung, erklärte in seiner Begrüßungsrede, Bürgernähe und Bodenständigkeit seien im Sinne Reinhold Maiers Grundlagen liberaler Politik.
Wenn es unten an der Basis an Demokratie fehle, dann fehle sie auch oben in der großen Politik. „Wir müssen die deutsche Geschichte wachhalten und für eine freiheitliche und tolerante Gesellschaft eintreten. Demokratie und Freiheit sind nicht mehr selbstverständlich, wie wir das in den letzten Jahren geglaubt haben.“

Julia Goll

Julia Goll, Stadträtin und stellvertretende Bürgermeisterin von Waiblingen, wo die Veranstaltung im Bürgerzentrum ursprünglich hätte stattfinden sollen, sprach das Grußwort für die Staufer-Stadt und würdigte Reinhold Maier als „Vater der Graswurzeldemokratie“. Der Arbeit der Reinhold-Maier-Stiftung komme in den heutigen Zeiten besondere Bedeutung zu.

Dr. Jürgen Morlok

In seiner Festrede hob Prof. Dr. Jürgen Morlok, Ehrenvorsitzender der FDP/DVP in Baden-Württemberg, die Bedeutung der Vermittlung liberaler Grundwerte im Kampf gegen den Populismus und Extremismus hervor. „Politische Bildungsarbeit ist heute wichtiger denn je.“ Kernaufgabe der bürgerlichen Parteien sei es, die frustrierten Nichtwähler zurückzuholen und sie müssten vor allem Anwalt der hart arbeitenden, aber enttäuschten Mittelschicht sein. Die Lehre Reinhold Maiers, wonach „Graswurzeldemokratie“ von unten nach oben funktionieren müsse, habe heute noch ebenso Gültigkeit wie seine Orientierung am Mittelstand und an der Facharbeiterschaft, die in seinem Bonmont „ebbes Beck, ebbes Doktor“ prägnant zum Ausdruck komme.

Am anschließenden Podiumsgespräch, an dem der FDP-Landtagsabgeordnete Prof. Dr. Ulrich Goll, Jochen Haußmann MdL, Prof. Dr. Jürgen Morlok sowie die Generalsekretärin der FDP/DVP in Baden-Württemberg, Judith Skudelny, teilnahmen, forderten alle Podiumsteilnehmer eine Stärkung der politischen Bildung, um den liberalen Verfassungsstaat gegen Angriffe von radikalen Linken, Rechten und Islamisten zu verteidigen. Es gehe darum, aus Bürgern verantwortliche Staatsbürger zu machen. Die Demokratie sei heute nicht mehr selbstverständlich, sie müsse vielmehr durch staatsbürgerliches Engagement verteidigt werden.
„Wir müssen die Menschen aufrütteln, sich für diese Demokratie einzusetzen“, sagte Jürgen Morlok. „Von nichts kommt bekanntlich nichts. Wir sind aber auch auf politische Thermik angewiesen und dass etwas bei uns in Form von Wählerstimmen ankommt“, ergänzte Ulrich Goll.

In ihrem Schlusswort richtete FDP-Generalsekretärin Judith Skudelny den Blick auf die anstehenden Landtagswahlen in Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein sowie auf die Bundestagswahl im Herbst. Sie sei sehr optimistisch, dass die FDP bei allen drei Wahlen mit guten Ergebnissen in die Parlamente einziehen werde. Die Leistungsträger in der Mitte unserer Gesellschaft merkten, dass die Stimme der Freiheit fehle.

Prof. Dr. Ulrich Goll wurde für seine langjährige Tätigkeit an der Spitze der Reinhold-Maier-Stiftung zum Ehrenmitglied des Verwaltungsrates ernannt. Fotos: Kiessling

Prof. Dr. Ulrich Goll wurde am Ende des Festaktes von Jochen Haußmann zum Ehrenmitglied des Verwaltungsrates der Reinhold-Maier-Stiftung ernannt. Die Stiftung würdigte damit das langjährige Engagement des ehemaligen baden-württembergischen Justizministers für die Stiftung und den Liberalismus.

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